In diesem Eintrag geht es um die ersten spiegelmagischen Experimente seit langen Jahren, aber bevor ich euch von dem weniger gelungenem und dem etwas “erfolgreicheren” Versuch berichte, möchte ich die Vorgeschichte erläutern – hatte dies ja bereits im ersten Blogeintrag zum Thema Spiegelmagie angekündigt. Der Grund für das in Klammern setzen des Erfolgreich-Attributs liegt in der etwas verqueren und verwirrenden Situation, die die Umstände des letzten der beiden Experimente erzeugt haben.
Habe lange an diesem sehr umfangreichen Blogeintrag gearbeitet, vor allem da ich deutlicher zwischen meinem subjektiv Erlebtem und den einhergehenden tatsächlichen Ereignissen differenzieren musste. Aber wie soll man schon objektiv sein können, wenn es letztlich doch auf eine Schilderung eigener Erlebnisse hinausläuft? Ich versuche es zumindest so ausgeglichen wie möglich zu formulieren.
Vorgeschichte – Vor langer Zeit…
…, in etwa 14-15 Jahre um genau zu sein, hatte ich ein seltsames Erlebnis, an welches ich lange Zeit nicht gedacht habe. Als Kind stellte ich mich eines Abends vor unseren Badezimmerspiegel und schaute mich lediglich minutenlang an und tat ansonsten nichts. Warum ich das tat, ist mir bis zur heutigen Zeit entgangen, vlt. war es Langeweile, der Versuch das Schlafengehen noch länger hinauszuzögern, evtl. auch beides zusammen oder was auch immer – als Kind ist man offen für Allerlei Aktivitäten. Die Gründe mögen aber auch keine so große Rolle spielen. Jedenfalls betrachtete ich mich und fiel nach einer Weile in einen seltsamen Zustand.
Mein Gesicht im Spiegelbild begann langsam damit, sich optisch zu verändern. Dazu verstärkten sich auch die Intensität von Licht und Temperaturempfinden. Zunächst fand ich das interessant und machte dementsprechend weiter, aber nach einigen zusätzlichen Minuten wurden die Veränderungen derartig stark, dass mir ein kalter Schauer den Rücken hinunter lief und sich in mir Angst regte. Als dann zusätzlich ein kurzes und lautes Knacken den Raum erfüllte, war es mit mir geschehen und ich verließ panikartig das Badezimmer Richtung Kinderzimmer. Verwirrt und verängstigt, vergaß ich dieses Erlebnis und ließ es ruhen.
Bis ich – wie schon in meinem ersten Erklärungsposting erwähnt – vor einiger Zeit auf Beiträge in diversen Webforen und – pages zum Thema Spiegelmagie stieß und einige dieser Beiträge die lang und tief in mir steckenden Erinnerungen an dieses Kindheitserlebnis weckten. Das Interesse war nun wieder neu entfacht und sogleich ackerte ich mich durch alle möglichen Quellen – egal wie obskur oder esoterisch, auf der Suche nach Gemeinsamkeiten zu meinen Erlebnissen und Anregungen, wie man es besser / anders machen könnte. Die Qualität vieler Posts und Geschichten (ich nenne sie mal ganz bewusst so) ließen aber in den meisten Fällen deutlich zu wünschen übrig und dementsprechend beschloss ich, meine eigenen Erfahrungen zu sammeln. Da ich durch den Beschluss, den Uberman-Schlafrhythmus durchzuführen, sowieso in Experimentierfreude steckte, hielt ich es für eine gute Ergänzung. Nun aber zu den ersten Versuchen.
Versuch 01 – Sonntag, 15.07.2007, ca. 21.00 Uhr
Ich sorgte für eine angenehme Atmosphäre, indem ich mir zwei Kerzen und ein Räucherstäbchen anzündete. Vor allem von letzteren habe ich noch genug übrig, da ich nur selten in der Laune bin, meine Bude damit voll zu qualmen – obwohl es eigentlich ein recht angenehmer Geruch ist (Sorte weiß ich leider nicht, bekam ich samt Ständer mal in ‘nem Mini-Jutesack geschenkt, aber was soll’s ist wohl sowieso irrelevant
).
Bezügl. der Location: Neben dem Badezimmer-Spiegel verfügt unsere WG noch über einen großen und langen Wandspiegel im Eingangsbereich bzw. Flur, habe ansonsten keinen weiteren Spiegel in unserer Wohnung parat, außer bei meinem Mitbewohner, aber ich wollte und will sein Zimmer nicht während seiner momentanen Abwesenheit dafür nutzen. Den Flurspiegel empfinde ich als eher passend, da ich mich so besser entspannt hinsetzen kann. Im Badezimmer müsste ich stattdessen die ganze Zeit über stehen und das hielt ich für kontraproduktiv, auch wenn mein Kindheitserlebnis im Stehen zu besonderen Erlebnissen geführt hat – man muss sich ja nicht auf ein Schema festlegen ^^
Ich setzte mich also im Kerzenschein und zugeräuchert vor besagten Spiegel und fing an mich bewusst zu entspannen und den Blick locker auf den Bereich leicht oberhalb zwischen beider Augen, also unterer Stirnbereich, zu fixieren. Wahrscheinlich hätte ich mir auch direkt in die Augen, dazwischen oder sonstwo schauen können, aber diese Positionen wird in beinahe allen Beiträgen zu diesem Thema erwähnt, von daher kann man diese (scheinbare) Tradition ja fortsetzen. Es verlangt zudem keine besondere Konzentration sich auf diesen Bereich zu fixieren, von daher werde ich da wohl kaum einen Fehler machen, wenn ich es beibehalte.
Nach ca. 3-4 Minuten stellten sich Farbveränderungen ein und ich fing an, meine Umgebung anders wahrzunehmen. Allerdings fiel es mir nach weiteren 2-3 Minuten schwer, gedanklich nicht abzudriften und den Blick zum einen zu Fixieren und andererseits nicht in zwanghaftes Starren überzugehen, was der Entspannung einen deutlichen Malus einbrachte. Die angesprochenen Veränderungen im Farbempfinden nahmen dementsprechend parallel zu meinem Empfinden zu und ab, wurden allerdings nach einigen weiteren Minuten begleitet von subjektiv empfundenen Lichtschwankungen (dabei war der Kerzenschein konstant und ungestört), sowie leichten Verzerrungen meines spiegelbildlichen Gesichts. Nach insgesamt ca. 15 Minuten brach ich schließlich den Versuch ab, da die erwähnten Konzentrationsschwierigkeiten zunahmen und die sich abzeichnenden Veränderungen langsam verebbten statt sich zu intensivieren oder zumindest auf einem Niveau einzupendeln.
Versuch 02 – Montag, 16.07.2007, ca. 16.45 Uhr
Dasselbe Setting, bloß eine andere Tageszeit. Ich verspürte den Drang zu einem Experiment und das, obwohl ich eher die Abendstunden für so etwas bevorzugen würde. Dazu muss gesagt werden, dass der Flur keinerlei Fenster besitzt, bis auf die lichtdurchlässigen Facetten unserer Eingangstür. Von daher habe ich alle Türen zum Flur geschlossen und die genannte Eingangstür mit Hilfe eines Badetuchs (sehr stilvoll, ich weiß
) zugehängt. Die Kerzen kamen wieder einmal zum Einsatz, jedoch verzichtete ich diesmal auf den Einsatz von Räucherstäbchen, da mir einfach nicht danach gewesen ist.
In den ersten 5 Minuten tat sich rein gar nichts und in mir stieg eine kontraproduktive Ungeduld empor. Jedoch riss ich mich zusammen, da ich auch keine große Lust dazu verspürte, schon nach so kurzer Zeit abzubrechen. Ich versuchte so gut es ging, meinen standardmäßig recht aktiven Geist zu beruhigen und nach weiteren geschätzten 3 Minuten gelang mir dies auch. Es flossen nur noch sehr wenige Gedanken durch meinen inneren Fluss und auf einmal stellten sich erneut die schon im ersten Versuch festgestellten Veränderungen ein: Veränderte Farb- und Lichtwahrnehmung, leichte Verzerrungen des Spiegelbildes. Ich versuchte mein Erstaunen darüber in Grenzen zu halten und es möglichst nicht innerlich zu kommentieren – außer vlt. mit einem “Aha” oder ähnlich kurzen Floskeln ^^
Diese Aspekte verstärkten sich in den darauf folgenden Minuten. Hinzu kam, dass mir auf einmal kalt wurde, ich also ein anderes Temperaturempfinden wahrnahm. Aufgrund meiner momentanen Umstellung auf den Uberman-Rhythmus ist es mir zumeist sowieso schon kälter als gewöhnlich, aber ich hatte das intensive Gefühl, dass es auf einmal noch ein paar Grad weniger im Raum wären. “Nun gut”, dachte ich mir, “ist dann so” und versuchte nicht in die Gedankenfalle zu tapsen, mir darüber unnötigerweise den Kopf zu zerbrechen.
Nach wohl ungefähr einer Viertelstunde – kann es nicht genau Einschätzen, mein Zeitempfinden ließ aufgrund der Konzentration und der fast schon meditativen Entspannung stark nach – bemerkte ich allerdings verwirrendes: Die Verzerrungen meines Spiegelbildes nahmen zu, es stellten sich zudem sich wandelnde und verschiebende Farbveränderungen innerhalb desselben ein. Es ist schwierig zu beschreiben, aber in diesen umherwabernden Bereichen von etwa 3-4 cm² fluktuierten diverse Farben und Farbverläufe im Wechsel, um zwischendurch die verdeckten Teile meines Gesichtes preis zu geben und dann transparent(!) zu werden. Ja richtig, transparent, durchsichtig… Ich war geschockt und wurde aus meiner Entspannung geworfen. In mir überschlugen sich die Gedanken, was denn hier bitte sehr vor sich geht und wie ich mir denn darauf einen Reim machen soll.
Zur Erklärung: Wenn ich vor diesem Flurspiegel sitze, so habe ich die Eingangstür halb im Rücken, da die Breite des Flures nicht ausreicht um ansonsten in einer angenehmen Entfernung zum Spigel zu sitzen. Nun waren bei diesem Versuch, die Fensterfacetten der Eingangstür mit einem Badetuch zugehängt, einem überwiegend rot-schwarzem sei nun angemerkt. Während ich also diese Farbverläufe und -wechsel wahrnahm und es zu den transparenten Zuständen innerhalb der kleinen Flächen kam, so sah ich Teile dieses Badetuchs hinter mir, die ich eigentlich gar nicht sehen dürfte und könnte.
Ich brach aufgrund des Schrecks das Experiment sofort ab und musste mich erstmal sammeln. Verwirrung par excellence. Ich versuche mir bis heute einen reim darauf zu machen, wie ich zu so einer Wahrnehmung kommen konnte. Dieser Transparenzeffekt hat mich wirklich gehörig durcheinander gebracht. Selbst wenn es sich bei spiegelmagischen Vorkommnissen um rein psychologische Phänomene handelt, so erklärt das nicht, wie ich durch mein zu dem Zeitpunkt verschrobenes und fast schon trip-artiges Spiegelbild hindurchschauen konnte und das auch noch durch sich verschiebende bunte Flächen.
Nun gut, ich kannte das Badetuch ja und habe es erst ein paar Minuten zuvor aufgehangen, von daher war die Erinnerung daran nicht gerade getrübt und dementsprechend kann ich es auch einfach visualisiert haben, da es mir bei einer eingebildeten durchsichtigen Fläche logisch erscheinen würde, es zu sehen. Interessant wäre es zu testen, ob ich auch mir unbekannte Dinge hinter mir erkennen und beschreiben könnte, sie also noch nie zuvor gesehen habe und dennoch detailreich schildern könnte. Allerdings fällt mir momentan kein Versuchsaufbau ein, den ich ohne mithilfe von anderen durchführen könnte. Zudem wäre es schockierend, wenn es dann ebenso funktionieren würde – es würde mein Weltbild ziemlich ins Wanken geraten lassen.
Nach diesem Schock hatte ich allerdings erstmal genug. Vor allem da es danach noch zu einem seltsamen Vorfall kam, den ich hier aber nicht erläutern werde – entgegen meinen ersten Absichten. Einer der Stammleser weiß bereits wovon ich rede. Da es aber nicht unbedingt mit den Versuchen in einem Zusammenhang stehen muss, lass ich es erstmal weg. Natürlich unter dem Vorbehalt es später zu ergänzen, falls es sich doch als relevant auszeichnen sollte.
Wie geht es nun weiter?
Die beiden Versuche liegen nun schon ein paar Tage zurück, möchte aber mindestens den gleichen Zeitraum abwarten. Ein bißchen Gras über die Sache wachsen lassen und dann sieht man weiter. Mein Interesse wurde prinzipiell weiter vertieft, aber die Umstellung auf den polyphasischen Schlaf kostet mich schon viel Kraft – ich möchte mich nicht noch weiter mental abschießen
Wir werden sehen. Sobald es weiter geht, werden auch die nächsten Einträge in dieser Kategorie folgen.